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"Der Zugang zu dem, was das gelungene Leben für einen Menschen jeweils bedeutet, ist durch dessen individuelle Geschichte geprägt. Das bedeutet, dass meine Sicht auf das gelungene Leben durch die Perspektive meines Lebens erfolgt und die Sicht meines Freundes oder Partners auf das gelungene Leben durch die Perspektive seines Lebens erfolgt. Die Perspektive des anderen ist es nun aber, die die meine ergänzen und auch korrigieren kann. In vielem sieht er klarer als ich, wo ich stehe, woran es mangelt. Er verfolgt meine Geschichte mit einem anderen Blick als ich. So hilft er mir, das Ideal zu leben, ein gelungenes Leben zu führen. Die beiden zunächst sehr gegensätzlich wirkenden Sprichwörter »Gleich und gleich gesellt sich gern« und »Gegensätze ziehen sich an« zeigen diese zwei unterschiedlichen Aspekte von Freundschaft auf. Es ist die Gleichheit der Vorstellung vom gelungenen Leben, die eine Liebe, eine Freundschaft zwischen Guten begründet. Aber die unterschiedliche Perspektive auf dieses Ideal ist es, die den Nutzen birgt."

aus: DIE KUNST, SICH SELBST ZU VERSTEHEN - Den Weg ins eigene Leben finden - Ein philosophisches Plädoyer von Prof. Dr. Michael Bordt SJ, Elisabeth Sandmann Verlag 2015, Seite 148

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